Kein Mittagessen auf dem Campus während der Pandemie

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Mensaleiterin Elke Kähler blickt zurück auf das erste Pandemiejahr und dessen Auswirkungen auf das Team der Mensa Griebnitzsee

Lange Schlangen, Campustreffpunkt und jeden Tag ein buntes Angebot: Mit über 400.000 verkauften Essen war die Mensa Griebnitzsee im Jahr 2019 die umsatzstärkste Verpflegungseinrichtung des Studentenwerks Potsdam. 2020 kam alles anders. Elke Kähler spricht über den Mensaalltag zwischen Lockdown und Kurzarbeit und über das, worauf sie sich in einem wiederkehrenden Normalbetrieb am meisten freut.


Sie sind seit vielen Jahren in der Mensa des Studentenwerks tätig und seit jeher nah an den Studierenden und Gästen dran. Was haben Sie 2020 am meisten vermisst?

Ganz klar, ich habe die Studierenden und Gäste enorm vermisst. Wir kennen ansonsten nur eine rappelvolle Mensa. An den leeren Anblick konnte ich mich nur schwer gewöhnen. Die Zusammenarbeit mit meinem eingespielten Team fehlte auch sehr.

Mitte März 2020 mussten die Mensen und Cafeterien von einem auf den anderen Tag schließen. Wie fährt man so eine große Einrichtung auf null runter?

Das war tatsächlich eine große Herausforderung. Wir befanden uns zwar in der vorlesungsfreien Zeit, in der per se weniger Essen über die Ausgabetheke gehen, aber die Lager waren natürlich trotzdem gut gefüllt. Um große Verluste zu vermeiden und um nichts wegwerfen zu müssen, haben wir eigentlich alles in irgendeiner Weise haltbar gemacht, z. B. indem wir die Lebensmittel eingefroren oder anderweitig konserviert haben. Bestellte Waren konnten wir teilweise auch abstellen, sodass am Ende glücklicherweise nichts in der Tonne gelandet ist.

Die Mensen machten auch während der Corona-Pandemie ein Angebot. Wie funktioniert so ein Großküchenbetrieb unter verschärften Hygienebedingungen vor und hinter den Kulissen?

Das hat eigentlich sehr gut geklappt. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern hatten wir in Brandenburg das Glück, dass wir zumindest teilweise öffnen konnten. Da insgesamt weniger Gäste zu erwarten waren, konnte auch weniger Personal eingesetzt werden. Das wurde in zwei Teams eingeteilt, damit wir im Wechsel arbeiten konnten, um so auch den verschärften Hygienebedingungen gerecht zu werden.

Wir arbeiten in den Mensen und Cafeterien auch in Nichtpandemiezeiten unter strengen Hygienestandards. Doch die neuen Auflagen waren eine riesige Herausforderung, die es umzusetzen galt. Das Sitzplatzangebot wurde insgesamt verkleinert, das To-go-Geschäft ausgebaut. Ein gutes Leitsystem im Gastraum und strenge Hygienemaßgaben in der Küche und an der Ausgabe, sorgten dafür, dass wir wenigstens einen kleinen Betrieb fahren konnten. 

Auch wenn das Angebot in dieser Zeit nicht so umfangreich ausfiel, wie in Normalzeiten, schienen die Studierenden und Hochschulangehörigen sehr froh über die Möglichkeit eines Mittagessens auf dem Campus. Die meisten gewöhnten sich auch schnell an die neuen Regeln und gingen achtsam miteinander um.

Die Beschäftigten in den Mensen und Cafeterien waren im Jahr 2020 überwiegend in Kurzarbeit. Wie haben Sie Kontakt halten? Was konnten Sie als Mensaleiterin tun, damit sich das Team nicht aus den Augen verliert?

Ganz schnell wurde eine Whats App-Gruppe für das gesamte Team gebildet, so dass wir alle schnell und zuverlässig erreichen konnten. Auch persönlicher Telefonkontakt wurde rege geführt.
Und ich hatte das Glück, da ich mir in der Zeit die Leitungsaufgaben mit meinem Stellvertreter geteilt habe, dass ich meine Kolleg*innen wöchentlich sehen konnte und mit ihnen unkompliziert und direkt ins Gespräch kam. Da war dann auch mal Raum, um Sorgen und Nöte zu besprechen, die zu dieser Zeit natürlich existent waren.

Wie sah der Kurzarbeitsalltag aus? Denn Kurzarbeit heißt ja nicht automatisch gar nicht mehr arbeiten …

Meine Mitarbeitenden und ich konnten im wochenweisen Wechsel 3 bis 4 Stunden arbeiten und das war enorm wichtig für alle. Ich persönlich hatte auch so meine Probleme mit der unfreiwilligen Auszeit bzw. den deutlich weniger Arbeitsstunden. Seit 44 Jahren gehe ich ohne lange Unterbrechungen arbeiten, da war das schon eine große Umstellung. So kamen mir die Kontrollgänge bzw. andere Aufgaben, die anfielen sehr recht um zwei bis drei Mal in die Mensa zu fahren und nach dem Rechten zu sehen.

Ein Blick nach vorne: Was wünschen Sie sich für die Mensen des Studentenwerks Potsdam für die Zeit nach der Pandemie?

Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, wenn wieder das normale Mensaleben einzieht - mit vielen hungrigen Studierenden und Gästen, die bei uns essen und mit denen wir ins Gespräch kommen können. Die Mensa ist mehr als nur ein Ort, an dem man schnell sein Mittag isst. Die Mensa ist ein sozialer Treffpunkt, ein Raum für Begegnung, den es auf einem Campus fernab des Hörsaals unbedingt braucht. Mein Team und ich, wir werden froh sein,  wenn wir unsere Mensagäste endlich wieder mit einem schmackhaften Essen in den weiteren Tag schicken können.

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