Golm 2

Dem Campus beim Wachsen zusehen

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Derzeit kommen nur etwa 10 % der Potsdamer Studierenden in einem Wohnheim des Studentenwerks unter. Die Miete liegt zwischen 175 Euro und 320 Euro inklusive aller Nebenkosten und bewegt sich damit innerhalb der im BAföG vorgesehenen Wohnpauschale. Damit an dem wachsenden Hochschulstandort Potsdam-Golm in Zukunft noch mehr Studierende ein erschwingliches Zuhause finden, soll in den kommenden Jahren eine neue Campus-Wohnanlage entstehen. Die bisherige Wohnanlage Haus 3 wird abgerissen, ein Neubau entsteht. In diesem Blog informieren wir regelmäßig zum Projekt, halten Baufortschritte fest und greifen Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf.

Blog

22. Dezember 2020

Wir freuen uns über das große Interesse an dem Bauprojekt am Standort des ehemaligen Haus 3. Viele Fragen haben uns zuletzt dazu erreicht. In dem ersten Blogbeitrag geben wir Antworten auf die häufigsten Nachfragen.

Warum baut das Studentenwerk Potsdam am Standort Golm ein weiteres Wohnheim?

Golm wächst: Wir freuen uns, dass sich der Campus immer weiter mit studentischem Leben füllt. Eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur ist deshalb umso wichtiger. Bereits im August 2018 setzte sich die damalige Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Ulrike Gutheil, für eine weitere Wohnanlage auf dem Campus ein. „Golm 2 kommt“, verkündete sie bei der Grundsteinlegung der Häuser 17 A+B, dem jüngsten Wohnheimneubau auf dem Campus. Viele Gespräche und Machbarkeitsstudien später kann das neue Studierendenwohnheim nun endlich in die Tat umgesetzt werden. Für die zukünftigen Bewohner*innen bedeutet dies: Lernen und Leben an einem Ort – nämlich auf dem Campus ihrer Universität.

Wie viele Plätze sollen entstehen? Wie hoch sind die avisierten Kosten?

Mit dem neu errichteten Gebäude sollen nach Vorgabe des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) etwa 350 Plätze entstehen. Das sind ca. 300 Plätze mehr verglichen mit der ursprünglichen Nutzung von Haus 3.

Die Projektkosten von ca. 30 Millionen Euro werden als Zuschuss bzw. Darlehen durch das MWFK finanziert.

Wie ist der Zeitplan?

Das Gebäude wurde von den Bewohner*innen zum Wintersemester 2020/21 leergezogen. Alle Mieter*innen haben einen Wohnplatz in einem der anderen Wohnheime des Studentenwerks angeboten bekommen. Zudem kam sämtliches gut erhaltenes Mobiliar anderen Wohnanlagen zugute (z.B. Kaiser-Friedrich-Straße in Potsdam, Schillerallee in Wildau). Die Universität Potsdam zog aus den bislang genutzten Räumlichkeiten im Oktober/November 2020 aus.

Mit Beginn des Jahres 2021 soll der Abriss des Altbestandes beginnen. Dieser soll bis Mitte des Jahres 2021 abgeschlossen sein.

Ein Termin zur Fertigstellung des Neubaus kann nach bisherigem Planungsstand noch nicht genannt werden.

Wie wird das neue Gebäude aussehen?

Derzeit befinden wir uns noch in der Planungsphase. Ein konkreter Entwurf liegt noch nicht vor.

Wem gehört das Grundstück?

Das Grundstück wurde vom Land Brandenburg im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags in die Hände des Studentenwerks gegeben. Während das Studentenwerk seine Mensen und Cafeterien nur im Sinne eines Mieters betreibt, die Gebäude selbst aber zu den Liegenschaften der Hochschulen gehören, verhält es sich bei den Wohnheimen anders: Hier fungiert das Studentenwerk als Grundstückseigentümer bzw. Erbbaupächter und übt demzufolge auch die direkte Bauherrenschaft aus.

Das ehemalige Haus 3 - auf dem Grundstück entsteht ein Neubau.

Außenansicht von Haus 3: An diesem Standort entsteht demnächst ein neues Wohnheim.

Warum errichtet das Studentenwerk an dem Standort ein neues Gebäude? Warum kann das bestehende Gebäude nicht saniert werden?

Dem Projekt ging sowohl eine umfangreiche Machbarkeitsstudie als auch eine Variantenuntersuchung voraus. Diese Untersuchung sollte erörtern, inwiefern der Altbestand von Haus 3 weiter genutzt werden und damit das historische Gebäudeensemble des Campus bewahrt werden kann. Dabei stellte sich heraus, dass bei einer Sanierung von Haus 3 inklusive einem Neubau hinter dem Bestandsgebäude insgesamt nur etwa die Hälfte der möglichen Wohnheimplätze hätte entstehen können. Eine weitere Untersuchung folgte und bestätigte den Befund. Es wurde u.a. auch eine Aufstockung des bestehenden Haus 3 geprüft. Das Ergebnis legte nahe, dass sowohl die Baugrund- als auch die statischen Verhältnisse eine effektive Aufstockung um 2 bis 3 Geschosse nicht hätten möglich werden lassen. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.

Werden bei der Umsetzung des Projekts auch Natur- und Klimaschutzaspekte berücksichtigt?

Wie bei allen unserer Bauprojekte berücksichtigen wir von der Planung über die Ausschreibung bis hin zur Umsetzung zahlreiche Natur- und Klimaschutzaspekte. Das Projekt wird in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam geplant und umgesetzt.

Bei dem derzeit zu bebauenden Grundstück wird per se nur der nördliche Grundstücksteil bebaut, da sich im südlichen Areal sehr viel schützenswerter Baumbestand befindet. Der alte Baumbestand wird damit überwiegend erhalten. Für gefällte Bäume werden in gewohnter Weise Ausgleichsmaßnahmen initiiert; vorzugsweise werden diese auf dem Campus selbst errichtet.

Außerdem wurde ein Artenschutzgutachter mit einer ornithologischen Bestandsaufnahme beauftragt. Davon ausgehend können die Brutzeiten von Vögeln mit den jeweiligen Bauphasen besser koordiniert werden. Im Altbestand wurden im Rahmen einer Begehung keine unter Naturschutz stehenden Tiere gefunden.

Der Abriss des Gebäudes wird so ressourcenschonend wie möglich geplant. Grundlage für die Planung des Rückbaus sind gesetzliche Vorschriften (z. B. das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes) und darüber hinausgehend technische Regeln und Leitfäden (z.B. des Landes Brandenburg), die sicherstellen sollen, dass beim Rückbau von Gebäuden die Materialien, insbesondere die mineralischen Abbruchabfälle, hochwertig verwertet und wenn das nicht möglich ist, umweltverträglich beseitigt werden.

19.02.2021

Die Golmer*innen werden es bereits bemerkt haben: Seit Mitte Februar ist der Abrissbagger auf dem Grundstück von Haus 3 aktiv. Nachdem im Herbst 2020 mit dem Leerzug des Gebäudes begonnen wurde, konnte es im Folgenden komplett entkernt und für den Abbruch vorbereitet werden.

Vorhandene Ressourcen gehen dabei möglichst in eine weitere Nutzung über: Gut erhaltene Möbel wurden in anderen Wohnanlagen installiert, aber auch Altmaterial findet Weiterverwendung in verschiedenen Projekten. Es freut uns, dass das entfernte Fensterglas des Gebäudes zukünftig in Form eines Gewächshauses auf dem Campus fortlebt.

Damit die Gehölze auf dem Grundstück keinen Schaden nehmen, wird der Abriss wird von diversen Schutzmaßnahmen begleitet. Es bleiben zunächst - bis genauer definiert ist, wo der Neubau eingeordnet wird - die Kellerlängswände zum Schutz der Baumwurzeln stehen. Insgesamt sollen so wenig wie möglich Baumfällungen stattfinden. Vorerst werden vier geschädigte Birken entfernt;  weitere beantragte Baumfällungen werden erst geprüft sofern Klarheit über den genauen Neubaustandort besteht. Nach derzeitigem Planungsstand wird davon ausgegangen, dass die ca. 50 Jahre alte Rotbuche stehen bleiben und in das künftige Gebäudeensemble integriert werden kann. Die notwendigen Fällungen werden in Absprache mit der Unteren Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörde der Landeshauptstadt beschlossen und werden von entsprechenden, noch zu definierenden Ausgleichsmaßnahmen in Campusnähe flankiert.

Im Vorfeld des Abrisses wurde außerdem sichergestellt, dass Tiere während ihrer Brut- und Nistzeiten nicht beeinträchtigt werden. Für ein ehemaliges, nicht belegtes Nest eines Gartenrotschwanzes in einem Loch in der Außenwand werden Ersatzmaßnahmen in Form von zwei Nistkästen am Haus 7 auf dem Campus Golm initiiert.

Der Gebäudeabbruch soll planmäßig Mitte des Jahres abgeschlossen sein.

Ein Ort volller Erinnerungen: Wie viele Seminararbeiten wohl auf diesem Stuhl geschrieben wurden?

Die große Rotbuche hinter Haus 3 kann voraussichtlich stehen bleiben.

09.06.2021

Eine Weile war es still um das aktuelle Bauvorhaben auf dem Campus Golm. Im Hintergrund wurde indes an dem Projekt intensiv weitergearbeitet. Nachdem Mitte Februar mit dem Abriss begonnen wurde, war Ende März schon nichts mehr von dem ehemaligen Haus 3 zu sehen. Der Abriss des alten Gebäudes, an deren Stelle ein neues Wohnheim mit 350 Plätzen errichtet werden soll, verlief problemlos und war sogar früher als ursprünglich geplant fertig. 

Wer derzeit an dem Grundstück vorbeiläuft, wundert sich vielleicht über die noch verbliebenen Wände des Kellers. Sie sind das Ergebnis einer Abstimmung mit der Unteren Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörde der Stadt Potsdam. Diese Wände sollen bis auf weiteres die tiefliegenden Wurzeln der sich auf dem Grundstück befindlichen Bäume schützen. Erst wenn der Baukörper klar definiert und der Bauantrag erarbeitet ist, wird entschieden, wie mit den betroffenen Bäumen weiter verfahren wird. Baumfällungen, falls diese notwendig werden, sollen bis dahin nicht erfolgen. Mit dem früh im Jahr stattgefundenen Abriss wurde zudem sichergestellt, dass keine Nistzeiten von dort lebenden Vögeln tangiert werden. Als Ersatzmaßnahme wurden Nistkästen an Haus 7 – ebenfalls eine Wohnanlage des Studentenwerks – angebracht. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Bauprojekt von Haus 17 auf demselben Campus haben gezeigt, dass diese Alternativen von den Vögeln durchaus gut angenommen werden.

Inzwischen fand auch das aufwendige Vergabeverfahren ein Ende. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung konnte ein erfahrenes Planungs- und Architekturbüro für das Projekt gewonnen werden. Während des Vergabeverfahrens mussten die beteiligten Büros u. a. Vorschläge unterbreiten, wie durch eine geschickte Baukörpergestaltung Bäume auf dem Grundstück erhalten werden können. Ziel ist es, das Bauprojekt unter der umfänglichen Berücksichtigung von Natur- und Umweltaspekten zu planen und dabei diverse Möglichkeiten für den Erhalt von Bäumen auszuschöpfen. Eingriffe in die Bestandsvegetation sollen grundsätzlich minimiert sowie Flächenversiegelungen auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Um eine komplette Versickerung von Regenwasser sicherzustellen, soll zudem eine Rückhaltung von Regenwasser realisiert werden.

 

 

 

Zu den ersten Aufgaben der beauftragten Planer gehört nun die Erarbeitung konkreter Vorschläge zur Umsetzung der Bebauung. Abstimmungen mit den zuständigen Behörden werden dabei zeitnah erfolgen. Auch die Frage nach der konkreten Anzahl der Geschosse muss final beantwortet werden, um mit den weiteren Planungen beginnen zu können. Angestrebt wird - unter der Berücksichtigung der jeweiligen Bebauungs- und Entwicklungspläne des Ortes - auf dem Grundstück das größtmögliche Raumpotenzial zu entfalten und die zur Verfügung stehende Fläche bestmöglich zu nutzen. Nach Abschluss der Grundlagenermittlung sowie der Vor- und Entwurfsplanung soll noch in diesem Jahr der Antrag auf Baugenehmigung eingereicht werden.

Für alle Beteiligten ein herausforderndes Unterfangen, immer mit der Vision vor Augen mehr bezahlbaren Wohnraum für Studierende zu errichten. Und dennoch: Gut Ding will Weile haben. Mit einer Fertigstellung ist nach derzeitigem Stand frühestens im Laufe des Wintersemesters 2024/25 zu rechnen. Wir halten auf dem Laufenden!

Fast dem Erdboden gleich: Die Kellerwände des ehemaligen Hauses 3 stehen noch, um die Wurzeln der umliegenden Bäume nicht zu beschädigen.